Am Sonntag Abend, dem 4. Jannuar 09, während die germanische weihnachtsgans- und silvesterkatergeprägte deutsche Bevölkerung sich allmählich schon wieder auf die erste Arbeitswoche einstimmen musste, traten wir um ein Neues den Weg von Berlin nach Frankfurt am Main an, um in Ristos heimischer Halle karatetechnisch auf den richtigen Do ins Jahr geschickt zu werden. Bei Schneesturm und klirrender Kälte, die uns auf der Autobahn eine Maximalgeschwindigkeit von sage und schreibe 80km/h aufzwang, erreichten wir nach siebeneinhalb nächtlichen Stunden das Dojo in dem die schon „eingeflogenen“ Gäste – angereist aus dem In- und finnischen Ausland – fröhlich vor sich hin schnarchten. Da war die noch verbleibende erste Nacht fast kürzer, als das erste, am Montagmorgen startende, einwöchige Intensivtraining.
Mit grob geschätzt 40 Karateka läutete Risto zum Trainingsauftakt mit einem In-Erinnerung-rufen des grundsätzlichen Aufbaus einer jeden dynamisch ausgeführten Schlagtechnik ein, die stets in der Reihenfolge: Schwerpunktverlagerung (Knie vor), Hüfte, und schließlich der von der Hüfte losgeschickte Ellenbogen ausgeführt wird. Risto unterbrach in den ersten Trainings öfters die Übungen und nahm sich viel Zeit, um die Zusammenhänge zu erläutern und meist auch anhand von lebendigen Beispielen zu demonstrieren oder demonstrieren zu lassen. Mit Kizami Zucki-Gyaku Zuki-Kombinationen in mindestens 4 verschiedenen Varianten wurde der Schwerpunkt dieser stark kumiteorientierten Trainingswoche gelegt. Koordinativ hochanspruchsvoll und sehr effektiv bei korrektem Timing konnte man als bald feststellen, da es regelmäßig im Freikampf ausprobiert werden durfte. Ein besonders gutes Gefühl ist es spätestens dann, wenn nach der Hälfte der Trainingswoche der sogenannte wichtige Aha-Effekt eintritt.
Aufbauend auf die zuvor genannten Kombinationen ließ Risto die Anwendung dieser in Verbindung mit diversen Fußtritten üben. Das der Puls am Anschlag war, die Schweißdrüsen dabei auf Hochtouren liefen und der eigene Körper mächtig viel Leistung erzeugte, davon wurden alle spätestens dann überzeugt, als man sah, dass sich die Kälte bei kurzem Durchlüften im mittlerweile rutschigen Dojo nur noch wagte am Boden entlang zu kriechen. Optisch ein Training wie in einer Dampfsauna.
Abgerundet wurde das Kumite-Training mit der Hokkyokuko, welche es dann erlaubte, die zunächst einmal so wichtigen „geschafften Voraussetzungen“ auf etliche Freikampfkombinationen so anzuwenden, dass die Techniken korrekt, schnell und mit dem richtigen Kime ausgeführt werden.
Dass die Januar-Trainingswoche ebenso eine Danvorbereitung darstellt, davon können die Braungurte sicher ein Liedchen singen. In den geteilten Trainingseinheiten wurde Ihnen entweder der letzte noch nötige Feinschliff verpasst, um selbstbewusst bei Shihan Ochi in die Prüfung zu gehen oder es wurde dem Einen oder Anderen bewusst, lieber noch etwas gezielter zu Trainieren, um etwas später eine noch bessere Prüfung abzulegen.
In der trainingsfreien Zeit, welche gleichermaßen das Gewisse etwas hat, das die Sportler immer wieder im Januar zum Risto treibt, wurde, wenn nicht die Frankfurter Großstadt erkundet oder die Saunalandschaft ganz in der Nähe beschlagnahmt wurde selbstverständlich auch wieder im Dojo gemütlich geschnackt, gekocht, geschlemmert, geschlummert, gegurgelt, gewankt und „Knofi“ sei dank auch gestunken.
Am Abreisetag durften sich dann die „Albert Einsteine“ unter den Karateka herausheben, die sich die Köpfe darüber zerbrachen, wie man dann die Dojomatten ab besten markiert, damit man sie im neuen Dojo auch wieder genau so zusammensetzen kann. Und die Moral von der Geschicht': „Denker braucht man zwar, aber ohne Macher geht es nicht.“
Oss Daniel