In zwei Tagen ist Premiere. Nicht etwa von einem Kinofilm oder einer Theateraufführung – nein – von unserem ersten Alleingang in einen Wettstreit. Genau heißt das, dass wir drei Damen, Franzi – Kathleen und ich, uns ohne Trainerunterstützung einem Wettkampf stellen werden.
Wie kommt man auf so eine Idee? Wo doch jeder Starter mindestens einen Trainer bzw. Berater an seiner Seite hat. Die Damen-Mannschaftsaufstellung war eigentlich für die Ostdeutsche Meisterschaft im März geplant, doch aus privaten Gründen konnte ich an diesem Wochenende nicht mitmachen, so dass meine beiden Mitkämpferinnen doch ein wenig traurig waren. Daraufhin habe ich einfach mal so gesagt: „ Mensch , also wenn ihr Lust auf Wett-kämpfe habt, dann schauen wir uns einfach um. Es gibt schließlich noch mehr Wettkämpfe und wir sind doch alt genug, uns selbst zu organisieren.“.
Und so kommt es, dass wir am Wochenende nach Magdeburg fahren. Schon jetzt können wir in gewisser Weise stolz auf uns sein. Ja, doch das können wir. Jahrelang suche ich Verstärkung in meiner „Königsdisziplin“ Kata und Kumite ab 18 Jahre und 3.Kyu (was soviel bedeutet, dass man mindestens einen braunen Gurt trägt) und nun endlich sind zwei Kämpferinnen herangewachsen, die alle Voraussetzungen für einen Start in „meiner“ Kategorie erfüllen und zudem noch von sich aus einer Teilnahme zustimmen - ohne lange davon überzeugt werden zu müssen, dass sie das Zeug dazu haben. Hut ab!
Also ganz ehrlich, ich bin schon jetzt aufgeregt. Nicht nur wegen unserem Frauenwettkampfeinstimmungsabend am Abend davor, sondern auch auf den eigentlichen Kampf. Vor zwei Tagen war die Premiere – und sie verlief recht gut. Die Aufregung wuchs am Samstag von Minute zu Minute und spiegelte sich bei mir persönlich in der hohen Toilettenganganzahl von circa 15 Stück wieder.
Pünktlich zum Startbeginn um 10.00 Uhr waren Franzi, Kathleen, Micha und ich am Start. Wenn man schon um 5.00 Uhr wach war, sollte Pünktlichkeit dann kein Thema sein. Huch, hat sich da etwa jemand eingeschlichen. NEIN, Micha haben wir kurzerhand zu unserem Film- und Fotodokumenteur und persönlichen „Lakaien“ gemacht. Wäre doch schade, wenn wir unsere Kämpfe nicht auswerten hätten können. Danke Micha.
Die erste Überraschung folgte auch recht schnell, denn die Wettkämpfe begannen diesmal mit den Kumite- Disziplinen. Also rein in die Schutzausrüstung und sich bzw. die Muskulatur warm machen. Die zweite Überraschung waren die beiden Freikämpfe von Kathleen und Franzi. Beide versuchten die vorher ausgewählten und geübten Kombinationen einzubringen und erzielten jeder einen Wazari (sprich einen halben Punkt. Ziel ist einen ganzen Punkt zu erhalten). Kathleen: Stehenbleiben tun wir eigentlich nur bei einer roten Ampel. Nicht jedoch in einem Freikampf oder hast du etwa rot gesehen? Ach, und das laute Atmen nicht vergessen.
Franzi: gute Technik, aber wo blieb die Kombination. Nehmt das nicht ganz so zu Herzen. Ich habe auch so angefangen und ich kann behaupten, dass Dirk des Öfteren verzweifelt war, bei mir kaum Kombinationen oder Bewegungen gesehen zu haben. Heute, denke ich, hat sich das schon stark gebessert. Da wurden mir schon 3-4er Kombinationen angekreidet. Aber was soll man denn machen, wenn die ersten beiden Treffer einfach nicht gewertet werden. Mein Kumite- Kampf fand ich gut, obwohl er mir nicht so viel „Spass“ gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, doch ein wenig besser gewesen zu sein als meine Gegnerin. Aber so bin ich nun ins Einzelfinale gekommen. Nach einem nicht so guten Kampf, belegte ich gegen irgendwann am Nachmittag den 3. Platz. Dafür habe ich auch eine Ausrede gefunden. Nämlich die Zeit. Nach etlichen Stunden Aufwärmen und Warten war ich in Gedanken wohl schon wieder auf dem Heimweg und verspielte mir somit die Chance auf den „Titelkampf“.
Zum Kata- Einzel kann ich sagen, da kann man mal sehen, dass die Heian Shodan immer wichtig bleiben wird. Die durfte ich nämlich zwei mal laufen, um ins Finale zu gelangen. Dank eines Freiloses zeigte Kathleen eine gute Kata. Mit welcher Kata sie dann ebenfalls ins Finale einzog, muss ich ehrlich gestehen, weiß ich nicht mehr. Franzi zeigte ebenso gute Katas. Durch den hohen Stand aber, verpasste sie knapp das Finale. Den 3. und 4. Platz belegten wir Mädels vom Bushido-Dojo dann schließlich durch saubere und kraftvolle Techniken.
Die dritte Überraschung an diesem Samstag galt eher meinen Mitstreiterinnen und unserem „Lakaien“. Mit blutigem Kopf ging ich vom Toilettengang schnurstracks an Kathleen, Franzi und einem mir etwas mitteilendem Micha zum Sanitäterbereich, wo ich aufopfernd versorgt wurde. Dabei machte ich mir kaum Sorgen, um die abgeschnittenen Haarstränen, sondern fragte doch gleich mal nach, ob eine weitere Teilnahme nun noch möglich war. Die Verletzung war aber nur oberflächlich und so stand unser Teameinsatz, der noch ausstand, nicht in Frage. Tja, so was passiert, wenn man in Gedanken sehr weit weg gewesen sein muss und eine unschuldige Umkleidebank mit Harkenleiste glatt mal übersieht.
Im Kumite- Team und im Kata-Team befanden wir uns ohne Vorrunde im Finale. Das ist keine Überraschung, schließlich sind nicht gerade viele Teams in diesen Kategorien angetreten. Aber mit einem Zehntel mehr auf unserem Punktestand konnten wir den 1. Platz mit der gemeinsamen Kata „Bassai Dai“ erringen. Wir waren zwar teilweise nicht so synchron wie unsere Gegner, jedoch überzeugten wir laut anwesendem Karate-Freund Tom durch unseren Mut zur Pause und einem etwas besserem Krafteinsatz. An dieser Stelle vielen Dank an Dirk und Jürgen fürs Pause üben im Training.
Mit 2 zu 1 unterlagen wir unseren Kalltenkirchener Gegnerinnen im Kumite- Team doch zu recht und landeten auf dem 3. Platz. Hier schiebe ich einfach mal unsere Konzentrationsschwäche ein wenig vor. Technisch gesehen fand ich unsere Kumite-Leistungen gut. Ich habe deutlich Verbesserungen bei uns allen Dreien gesehen bzw. empfunden. Und man bedenke, dass wir immer noch Neulinge auf diesem Gebiet an Bord haben. Oder ist man bei einem drittmaligen Wettkampfantritt kein Neuling mehr??
So, nun mein Fazit: Super.
Oss
Jessi
P.S.: Vielen Dank natürlich auch an Andi, der uns von klein auf saubere und korrekte Grundschule beigebracht hat und immer noch tut. DANKE.