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6. Berliner Pfingst-Gasshuku

22.-24. Mai 2010

" Multikulti in Preußens Hauptstadt "

 

Was passiert, wenn man ein Schweizer Leiskorn, einen finnischen Pergele, viel wissbegieriges Karateblut und 3 freie Tage mischt? Richtig, Rock and Roll in Ostberlin, Wahnsinn!

Aber mal Spaß bei Seite. Eigentlich ne coole Sache. Zum 6. Mal haben wir es nun schon geschafft, bekannte Karategrößen zum traditionellen Pfingstlehrgang des Bushido- Dojo Berlin in den wilden Osten zu holen. 70 Kilometer weiter östlich hat das Hochwasser der Oder getobt und in der Sartre Oberschule in Berlin Hellersdorf haben wir uns ausgetobt. Dank der professionellen Anleitung von Sensei Koichi Sugimura und Risto Kiiskilä waren 3 verschwitzte Tage und Blasen an den Füßen in Zeiten klammer Kassen ein gut investiertes Kapital.

Ich selber habe zum ersten Mal bei Sensei Sugimura trainiert. Da ich durch Ristos bewegungs- und kontaktintensives Training geprägt bin, war es anstrengend, den langen und ausführlichen Erklärungen von Sugimura Sensei zu folgen. In den wenigen Versuchen, das Erklärte umzusetzen, konnten die müden Knochen kaum auf Betriebstemperatur erwärmt werden. Körperhaltung, richtiger Stand und korrekter Einsatz der Hüfte wurden immer wieder erklärt und korrigiert. Bei den Gyakutsuki Übungen wurden wieder grundsätzliche Unterschiede zur finnischen Lehrmethode deutlich. Aber es erweitert ja bekanntlich den koordinativen Horizont, sich mit ungewohnten Bewegungsmustern auseinander zu setzen, so man Gelegenheit dazu bekommt. Bei Risto hingegen schalten wir gleich in gewohnter Weise auf Transpirationsmodus. Mäusefüße, Sprungübungen, und der Versuch, einen Hauch von Dynamik zu versprühen, ließen uns die müden Pfunde zwischen den Keulen hin und her balancieren. Mal elegant, mal mehr Elefant, jeder litt sich auf seine Art und Weise über die Stunden. Aber was tut man nicht alles, um die satten Kilos ins Ziel zu bringen. Und vor allem gut muss es aussehen!

Am Sonnabend nutzten wir die Mittagspause zu einer finalen Probe für unsere kleine Vorführung. Da René Altemännerleiden im Kreuz hatte, wurde Skrupi kurzerhand freiwillig verpflichtet, auszuhelfen. Hokkyokuko im Stück, in Zeitlupe und dann mit Partner in Anwendung. Hat eigentlich ganz gut geklappt. Ippon aufs Kinn, Danke Skrupi, gesprungener take-down am schwarzen Mann und natürlich ein geschmackvoller Abmurkser zum Schluss ließen unsere Fans euphorisch applaudieren.

Nach getaner Arbeit zog es die Kohorten ins Dojo zur Lehrgangsparty. Mit Messern und vielen Ideen bewaffnet schnitzten sich die Kids durch einen Berg von Obst und Gemüse, um den begehrten G.O.D Award abzufassen. „And the winner is - The Black Pearl!“. Leider hat das Kunstwerk die anschließende Futterorgie nicht überlebt. So kann man auch mal gesunde Sachen escht leckoa an den Monn bringe! Während der Grill und das Buffet in Stellung gebracht wurden, durften wir wieder einmal finnische Volksweisen hautnah miterleben. Mit versengten Ohrläppchen und angesengten Nasenhaaren trällerten wir aus heiserer Kehle „…kuolema raapii jo persettä! Pergele, war das heißßßß! Nach der Erstürmung des Buffets, etlichen Litern kalter Schaumgetränke und viel totem Fleisch wurde zum großen Karaoke geblasen. Obwohl ich nach dem 5. Schaumgetränk nicht immer den rechten Ton traf, geschweige denn noch schnell genug mitlesen konnte, war der Gaudiansteckungsfaktor enorm. Während die Kiddis Textsicherheit demonstrierten, bekamen wir nur Buhs, Pfuis und Mists. Hauptsache wir haben uns schön zum Obst gemacht.

Am Sonntag hat der Skrupi mir beim Training noch eine Stelle am Schienbein gezeigt, wo man mit Hilfe einer Daumenakupressur sofort k.o. geht. Da der Anästhesist zur Frischfleischbeschauung gerufen wurde, musste die Amputation verschoben werden und Skrupi durfte sich aus dem UKB stehlen und mit seinen besorgten Freunden den Abend am Rummelsburger See mit anschließendem Wahlessen bei Francesco di Pinoccio zu verbringen. Gute Besserung noch einmal an dieser Stelle!

Für unsere Kinder und quietschgestimmten Unkoordinierbaren hielt das Wochenende noch ein anderes Highlight bereit. Unter den prüfenden Augen von Risto, Dirk und zig Schaulustigen wurden am Sonntagmittag Gürtelprüfungen abgenommen. Auch wenn nicht jeder seine besten Leistungen abrufen konnte, waren doch der Einsatz und das regelmäßige Training im Dojo von Erfolg gekrönt. Herzlichen Glückwunsch und gepriesen seien die Gürtelfarben. Am Montag gab es Dank Ristos analytischen Fähigkeiten wieder einmal eine Lehrvorstellung der besonderen Art. Wie integriere ich besonders für die Blau und Braungurte und alle diejenigen, die davon noch nie etwas gehört haben, Dynamik und Bewegungsfreiheit in die Grundschule. Da hat unsere proteinhaltige Hohlraumversieglung wieder genug Brot für die nächsten Trainingswochen bekommen, Sport frei!

Zum Abschluss noch ein Dankeschön an alle fleißigen Helfer im Org.-Team, am Tresen, an der Bar, am Grill, am Einlass, das Karaokebereitstellungsteam, das Hokkyokukoteam und die schnelle medizinische Hilfe vom UKB. Bis zum nächsten dynamisches Pfingstmeet and greet,

Oss, der Jürschn

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