Das in diesem Jahr bereits dritte durchgeführte Gefährtenrraining fand in Stavenhagen /Mecklenburg statt. Der ausführende Verein unter Leitung von Mike Stepputat stellte die Dojohalle zur Verfügung. Die Trainer waren Mike Stepputat, Steffen Buzin und Jens Skarupski. Die beiden letzteren hatten die weite Anfahrt aus Kamenz. Der Lehrgang war durch Krankheit, Urlaub, Beruf sowie die weite Anfahrt recht ausgedünnt, was uns aber umso mehr motivierte, da dadurch dann der Trainer stärker auf den Einzelnen individuell eingehen kann als in einer Massenveranstaltung.
Die Themen des Lehrgangs waren auch hier eindeutig im Vorfeld definiert worden. Mike war für die Kata Chinte Teil 1 und Jens und Steffen für Bewegungen und Vorbereitung auf den Halbfreikampf verantwortlich. Dadurch, dass im Vorfeld diese klare Themenfindung stattgefunden hatte, konnte jeder Teilnehmer sich individuell auf die Kata vorbereiten. Mike legte den Schwerpunkt auf die synchrone Ausführung der Kata im Team und die korrekte Atmung. Ein besonderes Anliegen war ihm, den Druck den man in der Kata aufbaut auszuhalten und den richtigen Moment zu finden die nächste Technik folgen zu lassen. Dies gestaltete sich insbesondere für die routinierteren Karateka als ein Problem, da es für sie schwer war, aus ihren eingeschliffenen Bewegungsmustern auszubrechen.
Jens überraschte uns (wie immer) mit einer sehr interessanten Variante wie man in die offene Seite des Gegners gelangt und den Ippon setzt. Er splittete sein Training in zwei Einheiten auf, brachte uns in der ersten Einheit mit viel Geduld und methodischer Raffinesse den Bewegungsablauf bei und schaffte es in der zweiten Einheit, dass die Technik bei jedem wie von selbst auf einmal traf. Er merkte sofort wo bei jedem Teilnehmer Schwächen lagen. Spürte diese auf und hatte sofort den Tipp zur Korrektur parat. Schwerpunkt bei ihm waren die Kopfsteuerung, der flüssige Bewegungsablauf, um beim Gegner eine Überraschung hervorzurufen ohne dabei seine Gelenke zu schädigen. Apropos Gelenke, nicht nur das Jens einen der weitesten Anfahrtswege hatte von über 7 Stunden hatte, nebenbei die Berliner „Gefährten“ in Berlin einsammelte, er hatte sich im Vorfeld das Kreuzbein gerissen und ließ es sich nicht nehmen den Lehrgang mit Orthese zu geben und selbst dabei aktiv mitzukämpfen - Hut ab.
Voraussetzungen für das Gefährtentraining sind nicht nur sehr gute Nehmer- und Geberqualitäten, sondern man muss sich als Trainer auch mit der Kritik der Lehrgangsteilnehmer auseinandersetzten. Ziel ist die stetige Verbesserung jedes Lehrgangsteilnehmers. Daher ist die Grundvoraussetzung jedes Lehrgangsteilnehmers, die Akzeptanz des technischen Leitbildes durch Sensei Risto Kiiskilä. Dabei ist die gegenseitige Akzeptanz sowie die Gleichberechtigung der Lehrgangsteilnehmer besonders wichtig. Z.B. lassen sich auch höhergraduierte Danträger von unteren Danträgern korrigieren und anleiten was ich so nur ganz selten auf Lehrgängen erlebt habe. Das dient der Stabilisierung eines der Anliegen der Gefährten, sich zu verbessern und nicht nur eine Fehlerkorrektur bzw. nur die Fehlernennung aufzuzeigen, sondern umfasst tiefgreifende sportwissenschaftliche und psychologische Erkenntnisse die in das Training mit einfließen. Somit ist jeder Trainer in der Verpflichtung schon im Vorfeld sich sehr intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzten, und eine entsprechende Didaktik und Methodik sowie „Nothilfepläne“ zu entwickeln.
Am Abend erfolgte die vollständige Auswertung des Lehrganges durch die Videoanalyse. Mehrere Lehrgangsteilnehmer waren über ihr Empfinden und die tatsächliche Ausführung der Bewegung stark überrascht – gegenseitige Tipps wurden gegeben und jeder hat bis zum nächsten Mal seine individuelle Aufgabe bekommen.
Dadurch, dass der Lehrgang wie eingangs erwähnt sehr ausgedünnt war, konnte Mike uns nach Absprache mit seiner Frau bei sich auf dem Gehöft aufnehmen, wo wir abends noch grillten und die Natur genießen konnten. Am nächsten Tag, gestärkt durch ein umfangreiches Frühstück, machten wir uns auf den Weg zu einer dreistündigen Paddeltour. Mike´s Frau ließ es sich zum Glück für mich nicht nehmen alle Karatekriegsschäden die im Laufe der Zeit so an meinem Körper entstanden sind zu beheben.
Die 3 stündige Paddeltour bei der wir mal so nebenbei 15 km abpaddelten war durch die Natur und Fischadler total entspannend und war der krönende Abschluss des Lehrgangs. Vielen Dank an die Trainer für die Durchführung eines großen Lehrganges. Info an alle: das vierte Gefährtentraining ist in Kamenz Datum XX.12.2011 mit Teil 2 Chinte.
Oss Heinz Gjurnew
