Katalehrgang in Berlin

Der Weihnachtsspeck war noch nicht ganz abtrainiert, da hieß es für uns drei (plus eine begleitende Schlachtenbummlerin) aus dem Dojo Stavenhagen: auf nach Berlin für ein intensives Katatraining. Gerufen hat das Bushido Dojo Berlin und so sattelten wir den kleinen Skoda Fabia, sammelten uns aus Dörfern und Städten des weiten Mecklenburg und überließen uns der B96 gen Berlin. Ankommen, Umziehen, Freunde und Bekannte begrüßen, und auf ging´s in einen engagiert angeleiteten Trainingszyklus mit jeweils drei Einheiten á anderthalb Stunden Training und viertelstündlichen Pausen. Wir waren nicht die einzigen aus berlin-fernen Gegenden, sodass die Halle doch ordentlich gefüllt war. Bei einem Mix aus katabezogener Aufwärmung, intensivem Trainieren einzelner Elemente und Anregungen für Bunkai erlebten wir sowohl Transpiration als auch Inspiration.

Jessica startete mit Jion auf der dunklen Seite der Graduierungen (blau bis schwarz), Jürgen widmete sich der helleren Seite (weiß bis grün) mit Heian Godan.

Beide Seiten nahmen sich nichts an Intensität und Eifer. Und so wurden den auch Tritte, Schläge und Festhalten mit Elementen, die die Kata hergeben, abgewehrt und der Gegner neutralisiert. Jessica hielt sich eng an die Form der Jion, nahm Anregungen von den „alten“ auf, gab sie an die Trainingsgruppe weiter, scheute sich nicht, uns mit Wiederholungen zu fordern.

Kaum aus dem friedlichen Kloster heraus (Die Maus aus der Sendung weiß es: Ji-Kloster; On – Friede) wurden wir zur Wolkenhand (Un-Wolke, su-Schriftzeichen für Hand), schöpften Wasser, schoben Wolken zur Seite und … erfuhren die Tücke der Schwerkraft an der Stelle ihr- wisst- schon- welche- ich- meine… Dirk wurde es nicht müde uns zu versichern, dass es irgendwann schon passieren würde, dass wir wie von Geisterhand auf(er)stehen werden… Und auch in der Unsu geht es viel um Belasten-Benutzen (der Beine) sowie um Öffnen und Schließen (des Körpers), sodass Geist und Schweiß ganz im Sinne der Kata ins Fließen kamen. Das Bunkai wurde von Dirk vorrangig an der Situation Angriff aus Nahdistanz orientiert. Verlassen der strengen Form und Verbindung der Techniken mit natürlicher Bewegung war Dirks Schwerpunkt. Nebenan wetzten die „Kleinen“ mit Heian Shodan und Bewegungsspielen hin und her und schickten gelegentlich einen kindlich-kraftvollen Kiai ins Lager der „Großen“.

Dann in der dritten Einheit eine erneute Verwandlung: das Tier, dass dem Mecklenburger nur allzu vertraut ist, der durch seinen Flügelschlag, sein Trompeten und seine – Balztänze – jährlich viele Besucher ins Land lockt, gab der Kata den Namen: Gankaku (Kranich auf dem Felsen). Jürgen übersetzte die Formen in ein Bunkai mit Befreiungsgriffen und nutzte die Wendungen als Bewegungsprinzipien, um den Angreifer aus dessen Gleichgewicht zu bringen und am Boden zu kontrollieren. Und hier wurde es auch mir mal wieder deutlich, weil in der Anwendung erlebbar: eine Wendung ist eine Wendung. Für Pirouetten gibt es Bewunderung und Punkte auf dem Eis, im ernsthaften Bunkai allenfalls eine wirkungslose Verwringung des Körpers beim Verteidiger mit orthopädischen Kollateralschäden …

Und so schnell waren viereinhalb Stunden Katatraining vorbei. Etwas dehydriert aber sehr zufrieden und mit fast glücklich wirkenden Tonis schickten wir den Fabia wieder auf die B96, auf der er wie von selbst den Weg nach Hause fand. Wer das anschließende Kataturnier gewonnen hatte, entging uns somit, leider. Hier bleibt nur unser Glückwunsch an alle Turnierteilnehmer für den Mut zum Mitmachen und den gezeigten Kampfgeist. Danke an das Bushido-Dojo für die Initiative und engagierte Umsetzung und die gute Pausenversorgung des Katalehrgangs – wir freuen uns auf Euch im März beim Lehrgang mit Risto wieder in Berlin.

 

Oss, Mike v.D.

 

Veröffentlichung 1 Jahr her am · Direktlink