Gefährtentraining in Berlin

Eine schweißtreibende Herausforderung

Nach einer anstrengenden Woche wäre eigentlich auch im Anbetracht des naßkalten Wetters im-Bett-bleiben angesagt gewesen. Und wenn der Schweinehund noch so knurrt, versprochen ist versprochen. Also einen Kaffee eingepfiffen und auf in die Turnhalle, die Gefährten warten.

Als zweite Auflage einer Danvorbereitung hatten sich René und Detlef aus Berlin sowie Sebastian aus Halle auf ihren Trainerjob vorbereitet. Krankheitsbedingt bin ich kurzfristig für Detlef eingesprungen, da ihn die gemeine Rüsselfäule befallen hatte.

Eine klassische Dreieraufteilung in Grundschule, Kata und Kumite sollte dem gesetzten Schwerpunkt der Danvorbereitung entsprechen.

René konzentrierte sich in seiner Grundschuleinheit voll und ganz auf die Basiskombinationen für die Danprüfungen. Sehr gut wurden die einzelnen Abfolgen locker eingeübt und dann unter dem kritischen Auge des Partners stark ausgeführt. Kurze Korrektur und man war selbst in der Rolle des Prüfers. Kurze Auflockerungen wie Ristos klassischer „Doppelwopper“ oder die Gyaku Tsuki Wendungen nach vorgegebenem Zahlenmuster ließen nicht nur unsere Synapsen auf Volldampf laufen. Auch die Fußsohlen ließen allmählich ein leises „Mutti!“ hören.

Eine zufällige Einteilung zum Anfang der Grundschule entpuppte sich gegen Ende als fiktive Prüfung für den 1.Kyu, 1. und 2. Dan. So durften diese 3 Gruppen hintereinander antreten und sich durch das vorgegebene Prüfungsprogramm schwitzen. Die wachsamen Augen der anderen Gefährten und der unbedingte Überlebenswille ließen jeden sein Bestes geben. Ehrlich gesagt hatte ich das Gefühl völliger Erschöpfung durch 2 Stunden transpirative Grundschule schon fast vergessen.

Mein Einsatz für den bazillösen Detlef bestand darin, den Aspiranten einen kritische Standpunkt zu ihrer Tokui- Kata zu eröffnen. Als Einstimmung habe ich den fehlerfreien Ablauf der Heian- und Sentei- Katas als minimale Grundforderung abgerufen. Für eine solide Basis darf es dabei keine Ablaufschwierigkeiten geben. Als Prüfungskatas wurden Jitte, Sochin, Nijushiho und Gojushiho Sho gewählt. Bei freiem Wechsel wurde in 3 Gruppen trainiert. Ablauf, gegenseitige Korrektur sowie eine Technikkombination mit einer passenden Bunkai waren die gesetzten Aufgaben. Zwischendurch mußten die Prüflinge immer wieder ihre Tokui- Kata sowie ihren Teil der Bunkai präsentieren. Zum Abschluß gab es noch etwas Streß für die Prüflinge, da vor versammelter Mannschaft 3 willkürlich gewählte Katas abverlangt wurden.

Die letzten Reserven wurden dann für Sebastians Kumiteeinheit mobilisiert. Trefferübungen mit Kizami- und Gyaku Tsuki aus dem Stand und aus der Bewegung im Jyu-Ippon Kumite waren bei ständig wechselndem Partner eine echte Herausforderung. Zwischendurch fanden wir uns immer mal im roten Drehzahlbereich mit dem kompletten Jyu- Ippon Programm wieder. Die alters- und konditionsgerechte Stunde fand ihr Ende in einigen lockeren Randori-Runden. Alle haben pumpend aber ohne Verletzungen überlebt.

In einer kurzen Auswertung mit Biermischgetränken aus der Flasche fand das erste Gefährtentraining der Saison 2017 einen wohl erkämpften Abschluß. Ein jeder hat genügend Anregungen bekommen, um seine Prüfungsvorbereitungen auf eine ehrliche Grundlage zu stellen.

In diesem Sinne, auf unser nächstes, gemeinsames Training.

der Jürschn

 

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