Auf den Punkt gebracht

Das gute Essen der letzte Tage lagt noch kuschlig schwer auf der Hüfte. Doch das neue Jahr sollte ja wieder mal sportlich angegangen werden. Also Sporttasche, Isomatte und Schlafsack gepackt und auf nach Frankfurt Sossenheim. Dort nach einer navigationsreichen, 6-stündigen Tour angekommen, stießen wir auf eine illustere Gesellschaft geburtstagsbiertrinkender Herren und Damen. Noch ein Prost auf den Basti, bevor wir uns in die Falle verkrümelten.

Die Ohrenstöpsel haben das Kämpfen der wilden Bestien des Nachts ganz gut ausgeblendet, so daß ich doch recht ausgeschlafen, motorisch unbedenklich die Tasse mit dem Morgenkaffee gemeistert habe. Etwas Frühsport und wir fanden uns zusammen mit ca. 40 Weißkitteln auf der Tatami wieder. Harte Landung, auf einen Schlag waren alle Sinne wach! Das nenn ich mal einen Beginn! Kein langes Vorspiel, sondern gleich ran an die Bouletten. Und das sollte sich im Laufe der Woche nicht ändern.

Für die Braungurte begann das Tageswerk schon um 10:00Uhr. Wir Schwarzgurte bekamen 2 Stunden mehr Zeit, die morgendliche Metamorphose zu durchlaufen. Dafür hatten wir nach unserer ersten schweißtreibenden Aufmerksamkeitsrunde nur eine knappe Stunde Zeit, die Flüssigkeitsreserven für den nächsten Gongschlag aufzufüllen.

Thema der Woche war, wie nicht anders zu erwarten, wie trainiere ich den Übergang vom Jiu-Ippon- zum Jiu-Kumite. Zielführende Hilfsmittel wie Gummiseile, Sandsack, Schlagpolster oder der schnöde Pansen, es wurde immer gut durchgezogen. Auch die Kata Hokkyokuko wurde oft methodisch bemüht, um Schwerpunkte in der Abwehr oder den Angriffsbewegungen zu setzen.

Aus dem Gleichgewicht zu straucheln und dann noch getroffen zu werden ist unangenehm. Sich auf dem Hintern wieder zu finden und getroffen worden zu sein, fühlt sich echt nicht gut an. Ist aber eine elegante Art zu kämpfen. Wie hole ich meinen Partner gekonnt von den Füßen war ein weiterer Trainingsschwerpunkt. Ein buntes Farbbarometer an den Schienbeinen zeugte von zahlreichen Wiederholungen. Im Freikampf wurde dies mit ständig wechselnden Partnern wieder und wieder ausprobiert, wobei Inkonsequenz in der Regel sofort bestraft wurde. „Ansatzlos auf den Punkt“ zog sich als roter Faden durch die gesamte Woche. Motivation, der ein gebündeltes Maß an Entsetzen und Schmerz voraus eilt, kann sich durchaus beschleunigend auf den eigenen Lernprozeß auswirken.

Ob Tekki, Bassai Dai oder Chinte, belasten und benutzen, Kata als Mittel zum Zweck. Wenn man über eine stimmige Anwendung die Techniken versteht, übt man gleich ganz anders – zielführend und nicht der Kata wegen. Schön, das man auch dabei wieder erleuchtende Momente genießen durfte.

Unser Bergfest in der Rhein-Main Therme wurde durch wiederholtes Ermahnen, beim offiziellen Schwitzen doch die Klappe zu halten, etwas getrübt, dann aber doch in einer Orgie von Witzen und mehrstimmigem Gesang zur Verbrüderung der Finnisch-Deutschen Schwitzgemeinschaft transpirativ mit Aufguß genossen. Welch ein Fest. Selbst den arabisch Mann hat unser russischer Saunachor in die Flucht geschlagen. Ich möchte gar nicht die Übersetzung für das neue finnische Saunalied wissen. Die Jungs aus Lahti haben unseren völkerverbindenden Sprachdilettantismus bestimmt schamlos ausgenutzt. Aber wir waren echt gut!!

Und unsere Köche erst! Vladi und Thomas haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um hungrige Mäuler zu wässern und zu stopfen. Deutsch-karibische Küche zum vernaschen, Auge und Bauch kamen voll auf ihre Kosten. Den edlen Köchen sei einmal mehr für ihr heldenhaftes Auftreten im Kampf gegen den Hunger im Dojo und weltweit überhaupt gedankt. Auch gemeinsames Essen kann verbinden.

So ging eine eindrucksvolle Woche im KD Ippon bei Risto mit Muskelkater und der einen oder anderen Blessur zu Ende. Aus gut informierten Kreisen wurde noch über eine deutsch-finnische Blues-Jam-Session im Dojo berichtet. Schade, daß wir schon auf dem „Heimflug“ waren. Aber jede Wurst hat nun mal ein Ende- in diesem Sinne,

Oss der Jürschn

 

Veröffentlichung 6 Monaten her am · Direktlink