Karatecamp im tief verschneiten Lappland

Polarlichter,  9. – 18. Februar 2018

Was ist es, das uns so an ihnen fasziniert? Die Farben, die Formen, die Magie, wenn Sie über den Himmel gleiten und ihre Form verändern und uns alles um uns rum vergessen lassen? Es ist ein kraftvoller Tanz, wenn sie schnell und elegant über uns schweben.

Bei meiner Ankunft in Oulu erwartete mich viel Schnee bei Temperaturen von -5 Grad. Nach 2 intensiven Tagen bei Freunden und ihrer Familie brachten diese mich am Sonntag mit dem Auto noch weiter in den Norden in die Nähe von Pello. Hier sollten sich 20 Aktive zu einem einwöchigen Trainingscamp mit Risto Kiiskilä versammeln, welches vom Aramoto Dojo Freiburg ausgerichtet wurde. Unsere Unterkunft (Lempeän Suvanto) war eine alte, liebevoll eingerichtete und als Museum gestaltete Schule mit integriertem Trainingsraum und natürlich einer Holzsauna im Keller. Uns standen ein ausreichend großer Gemeinschaftsraum und eine große Küche zur Verfügung. Aus dem Küchenfenster fiel der Blick auf eine eingeschneite Lavu mit Grillplatz, eine Sauna, einen Hot Pott (Badefaß) und einen Holzschuppen. Unterhalb der Bäume lag der vereiste Tornio, der Grenzfluß zwischen Finnland und Schweden.

Bei unserer Ankunft war Risto gerade in Schweden. Als er zurück kam, hatten er, einer seiner Mitfahrer und ich einen Heidenspaß, mit diesen Trittschlitten einen Hügel runterzufahren und gekonnt um die Kurve zu steuern. Später trafen die Freiburger und alle anderen ein und es wurde eine an- und aufregende Woche. Das Training stand ganz im Zeichen der Hokkyokuko (Polarlicht). Trainiert haben wir 3,5 Stunden täglich, am Montag gab es einen humanen Einstieg und ab Dienstag gings zur Sache. Beweglichkeit, hinteres Bein belasten und benutzen, täglich nach und nach die einzelnen Kata-Sequenzen mit und ohne Partner. Am Ende der Woche hatten wir so die gesamte Kata verinnerlicht. Wir bemühten uns um Eleganz, wie die Polarlichter.

Neben dem Training kam die Erholung nicht zu kurz. Am Dienstag fuhren wir zu einer Rentierfarm in Lampsijärvi, wo uns Anne, die Besitzerin durch die Gatter führte, vieles erklärte und Moose und Flechten zum Füttern der Tiere gab. Es wehte ein eisiger Wind, obwohl es nicht wirklich kalt war. Es war ein sehr umfangreiches Areal direkt an einem großen See. Wir sahen uns ausgiebig um und staunten über die stattlichen Eiszapfen, die von einem der Dächer hingen. Für unser morgiges Abendbrot nahmen wir ordentlich Rentierfleisch mit, es wollten schließlich 20 Mäuler ordentlich gestopft werden.

An einigen Abenden drehte ich mit einem der beiden Finnischen Spitze unserer Vermieter eine große Runde. Es war einfach wunderbar, sich draußen zu bewegen. Der Ort war tief verschneit, im Wald lag der Schnee mehr als einen Meter hoch. Die Bäume hatten schwer an ihren prachtvollen Winterkleidern zu tragen, die Leitungen bogen sich unter der Schneelast.

Tom und Friedrich wollten es wissen und bohrten und hämmerten 4 Löcher in den Tornio – leider waren ihre Angelaktionen nie von fischigem Erfolg gekrönt. Aber das war auch zweitrangig, das draußen sein und die Aktivität an sich machte soviel Freude, dass der Fang nebensächlich wurde.

Sauniert wurde selbstverständlich allabendlich, am Donnerstag heizten wir die Außensauna an, der Hot Pott wurde ab dem Morgen begefeuert. Das war das Größte, nach Training, Hunderunde und Sauna das Bad im Badefaß. Und wider besseren Wissens hofften wir auf Polarlichter. (Trotz Entzauberung am ersten Abend durch ausführliche Erläuterung, wie diese entstehen und dass wir unter diesen Witterungsbedingungen die gesamte Woche keine tanzenden Lichter sehen würden) Der Himmel war fast durchgängig bedeckt und es war nicht sonderlich kalt und so starb die Hoffnung zuletzt. Es kam, während wir die Wärme des Wassers genossen, ein fieser kalter Wind auf, der uns lange erhalten blieb. Meine Haare waren gefroren – der Weg wieder zurück nach oben in unser Quartier war kalt.

Tuija in Loma Vietonen stattete ich auch einen Besuch ab. Sie hat sich sehr gefreut. Unser herrliches Sommerplätzchen hatte sich in eine tief verschneite Wintermärchenlandschaft verwandelt. Da die momentanen Mieter im Zelt bespaßt wurden, war es dort wunderbar ruhig und fast schon einsam. Wunderschön.

Ach übrigens, „Lakritze ist keine Süßigkeit, das ist eine Kindheitserinnerung!“ (behauptet eine Finne) Klasse, ich ersetze Lakritze durch SCHOKOLADE!

Doreen

Veröffentlichung 3 Monaten her am · Direktlink